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458. Konzertabend

458

2018 | 12. Januar | 19:30
Klavierabend

Klavier

Unsere Künstler

Martin Helmchen hat sich als einer der Top-Pianisten der jüngeren Generation etabliert. Er gastierte in den vergangenen Jahren bei den Berliner und Wiener Philharmonikern sowie dem New York Philharmonic Orchestra.

1982 in Berlin geboren, studierte er zunächst an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin, wechselte später an die HMTM Hannover. Einen ersten entscheidenden Impuls bekam seine Karriere, als er 2001 den „Concours Clara Haskil“ gewann. 2006 wurde er mit dem „Credit Suisse Young Artist Award“ ausgezeichnet. Martin Helmchen konzertiert mit zahlreichen renommierten Orchestern.

Helmchen

Er gastiert regelmäßig bei den großen europäischen Sommerfestivals, eine besonders enge Verbindung pflegt er zur Schubertiade.
Einen besonderen Stellenwert hat für ihn die Kammermusik. Mit Soloabenden ist er in Berlin, Bonn, Stuttgart, Amsterdam, London, Chicago sowie in Montreal zu hören. Mit Kammermusikprojekten ist Martin Helmchen erstmals in verschiedenen Ländern Südamerikas unterwegs, weitere Stationen sind Paris, Luzern, Perugia, Bern, Wien, München, Dresden, Neumarkt, Frankfurt sowie mehrere Städte in Japan.

Martin Helmchen hat für PentaTone Classics zahlreiche CDs aufgenommen. Seit 2010 ist Martin Helmchen Associate Professor für Kammermusik an der Kronberg Academy.

 

Einführung

Auf dem Klavier einfach eine Geschichte erzählen und dabei nicht in das Korsett der klassischen Form einer Sonate eingezwängt sein zu müssen: Begonnen hat dies mit Felix Mendelssohn-Bartholdy und seiner Schwester Fanny. „Lieder ohne Worte“ ertönten und bald waren es ereignisreiche Balladen, die nachfolgende Komponisten schufen. Robert Schumann erfand „Noveletten“, zu denen zunächst seine berühmten Kinderszenen gehören sollten. Die literarische Novelle wurde damit zu einer Gattung der Klaviermusik.

In einem Brief an Clara Wieck schrieb Schumann: "Da habe ich Dir denn auch so entsetzlich viel componiert in den letzten drei Wochen - Spaßhaftes, Egmontgeschichten, Familienscenen mit Vätern, eine Hochzeit, kurz äußerst Liebenswürdiges". Diese „Novelletten“ sind der rote Faden für den heutigen Klavierabend. Ein Kettfaden im dem kunstvoll andere Stücke von anderen Komponisten eingewebt werden. Nach außen hin geradezu humorvoll, aber mit ernstem Hintergrund wird in den Novelletten ein autobiographischer Zusammenhang hergestellt: Schumanns Auseinan- dersetzungen mit Friedrich Wieck („Familienscenen mit Vätern“), sein zunächst nicht von Erfolg gekröntes Werben um Clara („Egmonts“ Kampf um „Clärchen“) und die dennoch weiterhin erhoffte Heirat („Hochzeit“). Besonders innig zeigt sich dies vor allem in der Novellette Nr. 8, deren „Stimme aus der Ferne“ im Trio II einer Passage des „Notturno“ aus Clara Wiecks Soirées musicales ähnelt. (Als 3. Stück am heutigen Abend gespielt). Eröffnet werden die 8 Stücke mit einem kraftvollen Marsch. In Nr. 4 bis 6 sind die No- velletten von leicht dahinschwebenden Tänzen getragen. Nr. 2 sendet Schumann nicht ohne Grund an Franz Liszt, ist sie doch – „Äußerst rasch und mit Bravour“ zu spielen – das effektvollste Stück der Sammlung und wurde in der für ihn bestimmten Reinschrift mit „Sarazene“ und „Suleika“ (letzteres in Anlehnung an Goethes West-östlichen Divan) überschrieben. Das „Intermezzo“ aus der Novellette Nr. 3 ist mit einem Motto aus der Hexenszene in Shakespeares Macbeth versehen und wird in dem dämonischen Mittelteil „Intermezzo“ dem hexenhaften Motto gerecht. Das vorletzte Stück erinnert in seinem kantablen Mittelteil an ein Schubert-Lied.

In den roten Faden dieser Novelletten werden als erstes zwei Stücke aus den „Soirées musicales“ von Clara Schumann-Wieck eingewebt. Schumann brachte eine Rezensi- on dieser „Soirées heraus. Einen Tag, nachdem er diesen Artikel geschrieben hatte, hielt Schumann schriftlich um die Hand Claras an, wurde von ihrem Vater jedoch abgewiesen.

Dann folgen als weiterer „Schussfaden“ dieses Programm-Gewebes vier kleinere Kla- vierstücke aus op. 19 von Arnold Schönberg. Schönberg schrieb diese Klavierstücke unter dem unmittelbaren Eindruck der Nachricht von Gustav Mahlers Tod. Noch nie wa- ren Stücke bisher so kurz. Nr. 2 und Nr. 3 weisen nur neun Takte auf. Die literarische Form des Gedichtes findet hier eine musikalische Entsprechung. Erst später finden wir bei Anton Webern Stücke von dieser komprimierten Dichte. „Dichtungen“ im wahrsten Sinne des Wortes werden musikalisch umgesetzt.

Tänzerisch fügt sich der nächste Faden ein und leitet über zu dem Ball der Novellette von Schumann. Ein Schreittanz, der in keiner französischen Suite fehlen darf, die Sarabande aus der Partita Nr. 4 von J. S. Bach.

Helmchen

Nach der „Erzählung“ über eine rauschende Ballnacht, Nr. 5 der Novellette, wird ein „goldener Faden“ dem Pro- gramm-Gewebe hinzugefügt: Aus „Vingt regards sur l´Enfant-Jésus“ von Olivier Messiaen folgt ein „Blick der Höhen“ aus „Zwanzig Blicke auf das Jesuskind“. Das Werk gilt als eines der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts für Klavier. Das „Akkordthema“ ist die Grundlage aller Stücke. Es ist nach Messiaen ein „Komplex von Klängen, bestimmt für ständige Variation...sehr konkret und leicht an seinen Farben zu erkennen.“

Es ist wieder der Tanz, der die Gedankenschwere aufhebt , die aber dennoch bleibt. Allein schon durch das „Lento“ entsteht eine melancholische Grundstimmung beim folgenden Faden von Frédéric Chopins Walzer Nr. 3. Das „Brillante“ ergibt sich aus den wirbelnden Figuren, die die Musik von Chopin maßgeblich bestimmt.

Ein weiterer Faden mit tänzerischen Motiven ist die „Bagatelle ohne Tonart“ von Liszt. Natürlich ist es keine atonale Komposition wie bei Schönberg. Eine extreme Chromatik war Namensgeber. Auch gehörte das Stück einmal zu den vier „Mephisto-Walzern“ und erhielt so seinen „unharmonisch-teuflischen“ Charakter. „Nuages gris“ ist eine autobiografische Komposition. Liszt hatte viele Probleme und verunglückte noch dazu. Er stürzte von einer Treppe, der Heilungsprozess ließ auf sich warten. Seine Depression drückt er in diesem Stück aus.

Die achte und letzte Novellette von Schumann ist ein komplexes und vielfältig ausgestaltetes Stück. Motivische Elemente aus dem vorangegangenen Geschehen werden aufgegriffen, um die zyklische Konzeption zu bestätigen. Als glanzvollen Abschluss lässt Schumann Claras „Stimme aus der Ferne“ wie eine Hymne erklingen, um dann einen Rückblick auf die „Erzählungen“ einiger Novelletten Sätze zu halten.

Volker Grimsehl

 

 

 

Ausführende


Martin Helmchen, Klavier
Novelletten-Programm 2018

 

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
I Markiert und kräftig

Clara Schumann-Wieck (1819-1896)
Soirées musicales op. 6 für Klavier
I Toccatina. Presto (a-Moll)
II Notturno. Andante con moto (F-Dur)

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
II Äußerst rasch und mit Bravour

Arnold Schönberg (1874-1951)
6 kleine Klavierstücke op. 19 (1911)
II Langsame Viertel
III Sehr langsame Viertel
IV Rasche, aber leichte Viertel
V Etwas rasche Achtel
VI Sehr langsame Viertel

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
III Leicht und mit Humor

J. S. Bach (1685-1750)
Partita Nr. 4 D-Dur BWV 828 Sarabande

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
IV Ballmäßig: Sehr munter

- Pause -

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
V Rauschend und festlich

Olivier Messiaen (1908-1992)
Vingt regards sur l´Enfant-Jésus (1944) für Klavier
VIII Regard des Hauteurs

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
VI Sehr lebhaft mit vielem Humor

Frédéric Chopin (1810-1849)
Walzer Nr. 3 a-Moll op. 34/2 "Grande Valse Brillante"
Lento

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
VII Äußerst rasch

Franz Liszt (1811-1886)
"Bagatelle ohne Tonart. Bagatelle sans tonalité" (1885)
S 216a für Klavier
Scherzando
Nuages gris S 199 für Klavier (1881)
Andante

Robert Schumann (1810-1856)
Novelletten für Klavier op. 21
VIII Sehr lebhaft

 

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© 2018 | Kulturkreis Kloster Wennigsen

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