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453. Konzertabend

453

2017 | 18. Februar | 19:30
Klavier und … | … Streicher

Klavier | Violoncello

 

Unsere Künstler

Das Duo Raphaela Gromes und Julian Riem besteht seit 2012. Die beiden Musiker zeichnet ein leidenschaftlicher Zugang zur Musik und gegenseitiges intuitives Verstehen der musikalischen Absichten des Partners aus. Dadurch können sie in jedem Augenblick frei gestalten und die Musik neu entstehen lassen. Auch in den technisch wie musikalisch anspruchsvollsten Passagen ein Miteinander, Freude an Initiative, Platz für die Initiative des andern, gemeinsamen Durchlebens der musikalischen Entwicklung – ein echtes Duo.

Die Debut-CD des Duos mit Sonaten von Strauss und Mendelssohn erschien 2014 ist ein Live – Mitschnitt des Preisträgerkonzertes auf dem Richard Strauss Festival 2012 in Garmisch-Partenkirchen. Sie wurde 2014 zum Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert und war CD Tip bei Bayern 5 aktuell sowie bei HR2. Eine neue CD wird 2017 erscheinen.

Seit 2013 tritt das Duo regelmäßig im In- und Ausland auf. 2014 spielte das Duo im Rahmen des Festivals ”west-östlicher Divan" im Iran und 2016 wurde das Duo vom Goethe Institut und den Deutschen Botschaften zu einer Tournee durch Zentralamerika eingeladen, wo sie Konzerte und Meisterkurse in Guatemala, Costa Rica und Nicaragua gaben.

Einführung

Raphaela Gromes-Julian RiemIn seiner zweiten Lebenshälfte entdeckt Alexander Glasunow die Form des Solokonzerts. Hier entsteht unter anderem auch sein Cellokonzert, das er Pablo Casals widmete. Am Anfang stehen noch kleinere Formen. Aus dieser Schaffensphase stammt „Chant du ménestrel“. Ein zart dahin gehauchter Gesang, der die Erinnerung an mittelalterliche Spielleute wachruft. Das Cello singt eine elegisch, traurige Melodie wie ein unglücklich verliebter Minnesänger. Das Klavier umschmeichelt die Solostimme, die innig für die Angebetete ein Lied anstimmt. Glasunow hat das Stück zusammen mit einer 17-jährigen Cellistin während seines Aufenthalts in London 1907 in der Fassung für Cello und Orchester aufgeführt. Es wurde gleich zu einem Hit. Nicht nur in Russland, sondern in ganz Europa.

Durch eine Programmänderung erhalten wir heute die Gelegenheit, den bisher größten Erfolg des Duos zu genießen, die Sonate F-Dur von Richard Strauss, mit der sie den Münchner Richard-Strauss-Wettbewerb gewannen.
„Also meine Sonate hat außerordentlich gefallen, sie wurde kolossal applaudiert, von allen Seiten wurde mir gratuliert, und es herrschte nur eine Stimme über das Ganze“, schrieb der 17-Jährige Richard Strauss nach der Uraufführung stolz an seine Mutter. Als es in den folgenden Jahren zur Drucklegung dieses Werkes kommt, wird die Sonate aber von ihm vollständig überarbeitet. Nur der erste Satz, ein prachtvoll selbstbewusstes Allegro con brio mit einem brillanten Fugato in der Mitte darf bestehen bleiben. Das Andante und Finale schienen Strauss schon zwei Jahre später nicht mehr reif genug. Das Werk legte er dreisätzig an und verzichtete damit – wohl mit Blick auf die beachtliche Gesamtlänge - auf einen Scherzo-Satz. Doch schon fünf Jahre später schrieb er über eine weitere Aufführung, in der er den Klavierpart übernahm: „...was mir furchtbar komisch vorkam, so mit allem Ernst den Leuten ein Stück vorzuspielen, an das man selbst nicht mehr glaubt." In dieser Zeit hatte er sich längst großen sinfonischen Formen und Opern zugewandt. Er war, als die Cello-Sonate entstand, noch ein Suchender und komponierte eher noch im Stil von Mendelssohn, Schumann oder Brahms. Dennoch gibt es bereits Anklänge an seinen persönlichen Stil. So stürmt es im ersten Satz bereits wie Don Juan voran, ehe das lyrische Hauptthema beginnt. Dagegen gibt es im letzten Satz in der Durchführung Kanons, die sich durch ihre verknöcherte, technische Komposition noch nicht befreit haben, um zu den neutönerischen Ufern des späteren Strauss aufzubrechen.

Der zweite Teil unseres Konzerts dreht sich voll ganz um Rossini. Er hat neben seinen zahlreichen Opern auch Raritäten für die Kammermusik geschrieben. Zunächst als Zwölfjähriger, dann als junger Mann und zuletzt „Une larme“ als bereits in den Ruhestand getretener Opernkomponist. Das Stück für Violoncello und Klavier gehört nach Rossinis eigenen Worten zu seinen „Alterssünden". Das Stück bedient alle Register des versierten, auf Effekt komponierenden italienischen Opernstars. Nach einer melancholischen, klagenden Einleitung sprudeln die überraschenden, bunten und kurzweiligen Einfälle nur so hervor.

„Der größte Künstler auf dem Violoncell, den unser Jahrhundert erzeugt hat" - so titelte eine Kölner Zeitung nach dem überraschenden Tod von Adrien-François Servais. Zunächst lernte er von seinem Vater das Violinspiel. Schon vor seinem Stimmbruch sattelte er mit 12 Jahren zu den tiefen Lagen des Cellos um. Er wurde ein berühmter Virtuose und hat über 10.000 Konzerte in Europa gegeben, bei dem häufig auch eigene Kompositionen auf dem Programm standen. Servais hat das Cello und Cellospiel revolutioniert. Ihm haben wir den Stachel zu verdanken, der das Cello aus der Klammer der Beine befreite und einen entspannteren Umgang mit dem Instrument ermöglichte. Seine neue, lockere Bogenführung ermöglichte unendliche Staccati- und seine ausgefeilte Daumenlage der linken Hand Trillerketten, die besonders in der Grande Fantasie in der ersten und zweiten Variation zu hören sind. So wurde er Erfinder des virtuosen Cellospiels und eroberte bis dahin ungeahnte Höhen und Geschwindigkeiten. Berlioz und Rossini rühmten ihn bereits zu Lebzeiten als "Paganini des Cellos".

Als tschechischer Jude auf der Flucht vor den Nazis, gelangte Martinu nach New York. Martinus Leben in den USA blieb trotz erfolgreicher sinfonischer Kompositionen unstet und von ständiger Sehnsucht nach der Heimat begleitet. Zu den Gelegenheitsarbeiten, mit denen er sein Gehalt aufbessern konnte, gehören die Rossini-Variationen für Cello und Klavier. Sie verwenden ein Thema, das bereits Paganini als Material für seine berühmten Violinvariationen benutzt hatte: die Preghiera (Gebet) aus Rossinis Oper Mosè in Egitto. Paganinis Variationen waren reine Bravourvariationen, für die vierte Saite der Violine geschrieben. Einerseits knüpft Martinu an sein virtuoses Vorbild an, setzt sich andererseits aber durch einen selbständigen Klavierpart von ihm ab. Die Eigenständigkeit wird schon am Thema hörbar: Im Original – bei Rossini – wird es von Schlägen der großen Trommel begleitet. Paganini hat diese übernommen, jedoch rhythmisch variiert. Martinu verzichtete auf den Effekt und schreibt stattdessen Klaviereinwürfe, die die Duosituation betonen. Der Trommeleffekt erklingt erst später bei der Widerkehr des Themas. Dazwischen kann man im Schlagabtausch der beiden Instrumente eine Triolenvariation (Var. I), eine Lauf- und Tremolo-Variation (Var. II), ein Andante mit feierlichen, tiefen Klavierakkorden (Var. III) und eine schnelle Finalvariation mit den verschiedensten Klangeffekten hören.

Auch der Florentiner Castelnuovo-Tedesco musste wegen seiner jüdischen Abstammung in die USA auswandern. Er ist heute fast nur noch durch seine Kompositionen für Gitarre bekannt. Dabei war er von Hause aus Pianist und ein vielfältiger Komponist, der sogar Opern schrieb. Seiner italienischen Heimat huldigte er in unterschiedlichen Werken. Bei unserer Huldigung von Rossini darf natürlich sein berühmtestes Werk, der „Figaro“ nicht fehlen.

Volker Grimsehl

 

 

Ausführende

Raphaela Gromes, Violoncello
Julian Riem, Klavier

 

Alexander Glasunow (1865-1936)
Chant du ménestrel

Richard Strauss (1864- 1949)
Cellosonate F-Dur, Op. 6
- Allegro con brio
- Andante ma non troppo
- Finale. Allegro vivo

- Pause -

Gioachino Antonio Rossini (1792–1868)
'Une Larme'

Adrien-François Servais (1807–1866)
Grande Fantaisie sur des motifs
de l´Opéra le Barbier de Séville de Rossini, op. 6

Bohuslav Martinů (1890–1959)
Variationen über ein Thema von Rossini
- Poco Allegro Variation
- Poco più Allegro Variation
- Andante Variation
- Allegro. Moderato maestoso

Castelnuovo Tedesco (1895–1865)
Figaro! Konzertparaphrase über die Arie 'Largo al factotum' aus dem „Barbier von Sevilla“ von Rossini

 

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© 2018 | Kulturkreis Kloster Wennigsen

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