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437. Konzertabend

canorusquintett: Bläserquintett

Datum: 2014 | 07. Dezember | 19:30
Programm: Bläser

Bläser

 

 

 

 

Einführung
437

Am Anfang steht eine Ouvertüre zu der beliebtesten Mozart-Oper:„Die Zauberflöte“. Diese Bearbeitung reduziert die 21 Orchesterstimmen der Partitur zwar nur auf fünf Blasinstrumente, dennoch scheint wenig zu fehlen. Die feierlichen, symbolträchtigen drei – mit Sechzehntel-Vorschlägen fünf – Akkorde zu Beginn und im Zentrum des Stücks können hier über die Blasinstrumente ihren „priesterlichen“ Charakter wahren; die außerordentliche Beweglichkeit des Fugato-Themas mit ihren vielen Windungen, das als „fuga“ (Flucht) auch die Flucht des Tamino vor der listigen Schlange anklingen lässt, ist ideal für Holzbläser. Die Komposition selbst ist in vielerlei Hinsicht besonders. „Wenn man mit gutem Grund die Zauberflöte als geistiges Testament Mozarts versteht, dann ist die Ouvertüre dessen Herzstück“ (Rosenberg). Allein schon an den Proportionen kann man das klassische Ebenmaß erkennen. Sie machen die für jeden hörbare Ausgewogenheit aus. Die Wiederkehr der Akkorde steht annähernd im „Goldenen Schnitt“ zur Gesamtlänge, das Werk selbst gliedert sich in fünf fast gleichlange Haupteile von 40-42 Takten, die die fünf Akkorde beantworten.

canorusquintett„Für meine französischen Holzbläser-Freunde habe ich das Quintett Nr.1 mit hohem Schwierigkeitsgrad komponiert. Aber es war ein Hindernislauf mit zu hohen Hindernissen. Sechs Jahre lang hat sich niemand die waghalsige Interpretation zugetraut“, erinnert sich Jean Françaix. Heute gehört das Werk zum Repertoire. Es strotzt von Einfällen. Françaix gelingt es immer wieder die Erwartungen des Hörers in die Irre zu führen. Feierlicher Ernst mündet in musikalischen Spaß. Hämmernder Rhythmus endet im Nichts. Geschwindigkeit in plötzlich träger Langsamkeit. Da wird parodiert und schwadroniert. Scheinbar gibt es kein „ordentliches“ Thema. Und doch entsteht aus vielen kleinen Punkten manchmal ein Bild, wie von einem Pointilisten gemalt. Es sei den die Punkte zerplatzen, weil sie sich als bunte Ballons herausstellen.

Die kleine Kammermusik für fünf Bläser von Hindemith zeigt den Komponisten in seinem Element als Ur-Musiker. Spielmusiken sollten es sein, die er schrieb. Spieltypische für das Instrument, aus dem Charakter des Instruments geboren. So erhält jeder Bläser seine Rolle, die auch der Hörerwartung entspricht. Die Klarinette „dudelt“ ihre Melodien, die Flöte pfeift lustig dazu. Horn und Fagott „schrummeln und brummeln“ dazu, geben das stützende „Klang-Korsett“. Und die Oboe schwebt dazwischen, antwortet und vermittelt. Wie auf dem Tanzboden spielen im ersten Satz Dorfmusiker lustig vor sich hin. Das Thema treibt immer weiter im klopfenden Rhythmus munter voran. Dann dreht sich ein zarter Walzer, der immer wieder neu anhebt, vom Horn geführt wird, zwischen Piccolo-Flöte und Klarinette kreist und in ein Fagott-Solo mündet. Ein melancholisches Adagio schließt sich an, in dem die Oboe mit zarter Begleitung ihr Leid klagt. Das hämmernde Thema des vierten Satzes wird immer wieder von solistischen Melodieausbrüchen der fünf Instrumente durchsetzt. Im Finale erinnert die Quint-Begleitung von Horn und Fagott an Dudelsackklänge. Ein mittelalterliches Bild von bäuerlichen Tanzpaaren entsteht vor unseren Augen, die sich immer wilder und ausgelassener bewegen.

Die Serenade c-Moll von Mozart ist eine „Nachtmusik“, die von ihm ursprünglich für acht Bläser (jeweils zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte) geschrieben wurde. Für das kaiserliche Ensemble von Joseph II komponiert, war der alleinige Zweck eine Unterhaltungsmusik zum Abendessen abzuliefern. „Ich habe geschwind eine Nacht Musique machen müssen, aber nur auf harmonie (für Bläser)..”, schrieb Mozart seinem Vater. Er sprengte den Rahmen einer „Hintergrundmusik“ aber gewaltig. Denn er wollte beeindrucken. Es war bekannt, dass der Kaiser eine Vorliebe für Fugen und Kanons hegte. So schrieb Mozart das Menuett als strengen Kanon und einen hoch-komplizieren Umkehrungskanon als Trio. Das Ergebnis war ein Stück, dass in der klassischen „Harmoniemusik“ so noch niemand komponierte und den Namen „Serenade“ (heiter, abends im Freien) nur zum Schein trägt. Bemerkenswert ist, dass die Reduzierung von acht auf fünf Instrumente bereits von Mozart geschah, in dem er das Stück zu einem Streichquintett (KV 406) umschrieb und dafür von Beethoven hochgelobt wurde. Es wurde für ihn zum Vorbild für die Umarbeitung seines Oktettes zum Streichquintett op. 4. So hören wir fast ein Original.

Volker Grimsehl

 

canorusquintettDas canorusquintett wurde im Jahr 2009 aus Studenten der Musikhochschulen Hannover und Weimar gegründet. Kennengelernt hatten sich die Musiker im Bundesjugendorchester, wo sie bereits seit 2006 gemeinsam spielten und an zahlreichen Konzerttourneen im In- und Ausland teilnahmen.

Seinen ersten großen Erfolg hatte das Ensemble 2011 in Marseille, wo es den ersten Preis beim 6. Internationalen Henri-Tomasi- Wettbewerb sowie den Haynes- Sonderpreis gewann. Im folgenden Jahr wurde das Quintett in die Stiftung Villa musica aufgenommen und spielt seitdem regelmäßig in verschiedenen Kammermusikkonzerten der Landesstiftung. Beim Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb 2013 wurde das canorusquintett in der Kategorie Bläserensemble mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Ebenfalls 2013 waren die Musiker beim Deutschen Musikwettbewerb erfolgreich und konnten ein Stipendium des Deutschen Musikrats gewinnen. Zudem wurde das Ensemble in die Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler 2014/2015 aufgenommen.

Beim 63. Wettbewerb der ARD 2014 in München erreichte das canorusquintett das Semifinale und erhielt den Sonderpreis für die beste Interpretation des Auftragswerks sowie den Förderpreis der Jeunesses Musicales Deutschland.

 

Ausführende

Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler
canorusquintett
Maximilian Randlinger - Flöte
Leonie Dessauer - Oboe
Christoph Schneider - Klarinette
Friedrich Müller - Horn
Hakan Isiklilar - Fagott

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Ouvertüre aus der Oper “Die Zauberflöte” KV 620
Bearbeitung von Joachim Linckelmann

Jean Francaix (1912-1962)
Bläserquintett Nr. 1 (1948)
1. Andante tranquillo – Allegro assai
2. Presto
3. Andante, Tema con variazioni
4. Tempo di marcia francese

- Pause -

Paul Hindemith (1895-1963)
Kleine Kammermusik für fünf Bläser op. 24 Nr. 2
Lustig-Mäßig schnelle Viertel
Walzer-Durchweg sehr leise
Ruhig und einfach. Achtel
Schnelle Viertel
Sehr lebhaft

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Serenade c-Moll KV 388
Bearbeitung für Bläserquintett von David Walter
Allegro
Andante
Menuetto in canone –Trio al rovescio
Allegro

 

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